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Kollage
 
 

"Familie Beethoven im kurfürstlichen Bonn"

"Familie Beethoven im kurfürstlichen Bonn" lautet der neueste Buchtitel aus dem Verlag Beethoven-Haus Bonn. Der 196 Seiten umfassende Band fußt auf den Aufzeichnungen des Bonner Bäckermeisters Gottfried Fischer, die sich als originale Handschrift im Besitz des Beethoven-Hauses befinden. Sie wurden von Lektorin Margot Wetzstein neu übertragen, ausführlich kommentiert, illustriert und herausgegeben.

Fischers Erinnerungen sind eine bedeutende Informationsquelle zu Beethovens Kindheit und Jugend in Bonn. Über den heranwachsenden Ludwig ist weit mehr zu erfahren, als es die bisher aus dem Zusammenhang gelösten Geschichtchen vom Eierdieb und vom gebratenen Hahn vermuten ließen.

Beethovens allgemeine und musikalische Bildung ist ein Schwerpunkt der Fischerschen Aufzeichnung. Sie nennt Lehrer für den Instrumentalunterricht und für die Unterweisung in Kominteger. Fischer beobachtet dabei sehr genau verschiedene Entwicklungsstufen des Kindes.

Einzigartig sind Fischers Bemerkungen zu Beethovens Eltern. Seine Schilderungen formuliert er freundlich, aber deutlich. Im Gegensatz zu den später üblichen Beschönigungen benennt Fischer auch Negatives, z.B. Vater Johann van Beethovens Umgang mit Alkohol, Spannungen im häuslichen Alltag, finanzielle Nöte und lärmende Unruhe durch zahlreiche Besucher. Zwischen Anekdotisches und Fakten streut Fischer feine Beobachtungen aus der Privatsphäre der Beethoven-Eltern und -Großeltern.

Gottfried Fischer weiß, wovon er schreibt: Über drei Generationen lebten die Beethovens zusammen mit den Fischers in seinem Elternhaus in der Rheingasse. Fischers Notizen beruhen auf den Erinnerungen seiner Familie, sie umfassen einen Zeitraum von etwa einhundert Jahren und schildern nicht nur das Geschehen im kurfürstlichen Bonn, sondern beziehen auch kulturhistorisch bedeutende Denkmäler der Umgebung mit ein.

Zum Beispiel beschreibt er rechts- und linksrheinische Reisen, die Vater Beethoven mit seinem Sohn Ludwig unternommen hat, um das Talent des Jungen bekannt zu machen. Er nennt viele Namen von Ortschaften und Personen in abenteuerlichsten Schreibweisen, sie werden in der neuen Ausgabe identifiziert und ausführlich kommentiert.

Wegen der eigenartigen sprachlichen Gestaltung wurde die Fischersche Niederschrift lange Zeit milde belächelt. Bei genauer Untersuchung allerdings wird ihre außerordentliche Bedeutung deutlich. Fischer berichtet über die Regierungszeit von drei Kurfürsten, von der fast völligen Zerstörung Bonns 1689, vom teilweise chaotischen Wiederaufbau, vom Leben am kurfürstlichen Hof, von Katastrophen, Affairen und Intrigen. Das alles tut er aus einer ganz privaten Sicht und ergänzt damit die offizielle Geschichtsschreibung.

Alle Aussagen sind in der neuen Ausgabe auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft und wenn nötig kommentiert. Angefügte Namen-, Orts- und Häuserregister, ein Stadtplan von 1773 (mit Ausschnitten) und Stammbäume erleichtern die Arbeit mit dem Material. Illustrationen aus dem 18./19. Jahrhundert und moderne Fotografien regen zum Bereisen der genannten Gegenden auf den Spuren der Familie Beethoven an.

Den sauberen Druck und die gediegene Bindung übernahmen Traditionsbetriebe aus der Buchstadt Leipzig.

Der Band ist zum Preis von 19,50 Euro im Shop des Beethoven-Hauses in der Bonngasse 20, oder telefonisch zu beziehen.
 
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