Die Farbe der Klänge

Tommaso De Meos malerische Umsetzung der neun Sinfonien Beethovens

WeiterWeiter 

Kein Komponist ist so häufig in der bildenden Kunst dargestellt worden wie Beethoven. Schon seit der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts waren die Person Ludwig van Beethovens, aber auch seine Kompositionen, ein besonders beliebtes Thema für bildende Künstler.

Dieses Interesse bleibt bis in unsere Zeit bestehen, auch wenn das Sujet Beethoven in den verschiedenen Epochen eine stetige Wandlung in seiner Darstellung erfahren hat. Dabei dominierten zunächst bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts Portrait-Darstellungen des Komponisten. Seit 1945 ist dagegen zunehmend eine Auseinandersetzung mit Beethovens Kompositionen seitens Malern, Graphikern oder auch Bildhauern zu beobachten. Dieses Interesse ist ein Phänomen, das sich überall in Europa, aber auch in außereuropäischen Teilen der Welt beobachten lässt.

In Italien sind neben De Meo etwa der an der Kunstakademie Ravenna lehrende Maler Radu Dragomir zu nennen oder der piemontesische Maler und Komponist Carlo Sismonda, die beide in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts Bilderzyklen zu Beethovens Musik geschaffen haben.

Diese Internetausstellung widmet sich den Werken des römischen Künstlers Tommaso De Meo, der sich im letzten Jahrhundert in seinen Gemälden intensiv mit Leben und Werk Beethovens auseinandergesetzt hat. Der Künstler empfand eine sehr persönliche innere Verbundenheit zu Beethoven, da er wie dieser in seinen Sinneswahrnehmungen beeinträchtigt war. Wie der Musiker und Komponist Beethoven sein Gehör verloren hatte, hatte der Maler De Meo bei einem Unfall ein Auge eingebüßt und drohte ganz zu erblinden - beide waren also in dem für ihre Kunst wichtigsten Sinn eingeschränkt. Dies schuf für De Meo eine ganz eigene Beziehung zu Beethoven.

De Meos Werk stellt einen wichtigen Punkt in der Beethoven-Rezeption in Italien im 20. Jahrhundert dar. Außergewöhnlich ist dabei die Intensität, mit welcher sich der Künstler Beethovens Musik gewidmet hat: Zum ersten Mal wurden Satz für Satz alle neun Sinfonien auf die Leinwand übertragen.

Dieser Bilderzyklus entstand in den Jahren 1964 bis 1966 im Atelier des Künstlers in der Via del Corso 12 in Rom. De Meo setzt seine moderne Interpretation der Sinfonien in 37 abstrakten Gemälden künstlerisch um: Die Bilder verkörpern ein Streben zur "inneren Natur", entfernen sich jedoch gleichzeitig von einer realistischen Darstellung. Dadurch wird die Erschaffung neuer Formen sowie die Autonomie der Farben  in den Vordergrund gestellt. Die intensiven Farben der Gemälde De Meos (zusammen mit dem oft ungewöhnlichen Formenspiel), sind das, was dem Betrachter als erstes auffällt.

Auch in weiteren Bildern und Grafiken, die ebenfalls den Bonner Komponisten zum Thema haben, versucht De Meo, seine durch die Musik in ihm hervorgerufenen Empfindungen einfließen zu lassen und eine symbiotische Verbindung von Musik und Malerei zu erzeugen.

Wie sich das Interesse des Malers an der Umsetzung der Musik Beethovens in Bildern erklären lässt, kann am besten ein Zitat de Meos zum Ausdruck bringen, der zu einer seiner Ausstellungen in den 1960er Jahren schrieb:

"Ich war tatsächlich immer der festen Überzeugung, dass Beethovens Musik nicht nur beim Hören bewundert werden kann, sondern auch durch die Übertragung in malerische Effekte; dadurch können auch die erhabene musikalische Botschaft und die epische Größe erkannt werden, die in allen beethovenschen Werken präsent sind […] Dies habe ich mit meinen Bildern versucht auszudrücken."