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Rezeptionsgeschichte und Rezeptionsästhetik der Lieder Ludwig van Beethovens

Beginn:IV/2008
Ansprechpartner:Ilona Magaj
Adresse:ilmawi@gmx.de
 
Kein anderer Schaffensbereich Ludwig van Beethovens wurde so vernachlässigt wie seine Lieder. Abgesehen von einigen wenigen Ausnahmen wie etwa dem Liederzyklus 'An die ferne Geliebte' op. 98 und 'Adelaide' op. 46 sind sie sowohl im Konzertrepertoire als auch in der musikwissenschaftlichen Forschung kaum präsent. Der schon zu Beethovens Lebzeiten erhobene Vorwurf, seine Lieder seien "unsangbar" und "wenig bedeutend", hat die Rezeption bis heute beeinflusst: Innerhalb der Musikgeschichtsschreibung werden sie im Vergleich mit Beethovens imposanten Instrumentalwerk als Nebengebiet des eigentlichen künstlerischen Schaffens des Komponisten bewertet.
Diese Zurücksetzung der Lieder ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass nicht erst Franz Schubert, sondern bereits Beethoven das hausmusikalisch einfache Lied in eine anspruchsvolle Gattung umgewandelt hat. Vor allem im Hinblick auf die profilierte Klavierbegleitung überschreitet der Komponist das Niveau der Lieder seiner Zeitgenossen, in denen das Klavier meist nur eine untergeordnete Begleitfunktion innehat.
Ziel des Dissertationsvorhabens ist es, die Rezeption der Lieder Beethovens im 19. Jahrhundert zu erkunden und innerhalb ihres historischen, gesellschaftlichen und kulturellen Kontextes zu erklären. Es soll herausgearbeitet werden, aus welchen Gründen und unter welchen Bedingungen sich die tendenzielle Geringschätzung des Liedkomponisten Beethoven entwickelte und inwiefern sie die Beethoven-Rezeption bis heute geprägt hat.
Dazu sollen neben Rezeptionsdokumenten aus unterschiedlichen Bereichen (Rezensionen, Aufführungsberichte, private zeitgenössische Äußerungen etc.) ökonomische und distributive Aspekte des Musikverlagswesens und vor allem die kulturelle und soziale Situierung der Gattung Lied untersucht werden.
 
Beteiligte:Betreuung durch Prof. Dr. Ulrich Tadday, Universität Bremen