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"An die ferne Geliebte", Liederkreis von Alois Jeitteles für Singstimme und Klavier op. 98

Hörproben
1. Auf dem Hügel sitz' ich, spähend (365 kB)
2. Wo die Berge so blau (365 kB)
3. Leichte Segler in den Höhen (365 kB)
4. Diese Wolken in den Höhen (298 kB)
5. Es kehret der Maien, es blühet die Au (365 kB)
6. Nimm sie hin denn, diese Lieder (365 kB)

Entstehung
Jahresanfang bis April 1816
Franz Joseph Maximilian Fürst Lobkowitz gewidmet

Textdichter: Alois Jeitteles

Beethoven vollendete den Liederzyklus "An die ferne Geliebte" op. 98 im April 1816. Ein schweres Jahr lag hinter ihm. Um die Jahreswende 1814/1815 befand sich der Komponist auf der Höhe seines öffentlichen Ruhmes und wurde während des Wiener Kongresses von den Oberhäuptern der europäischen Fürstenhöfe gefeiert. Das Jahr 1815 entwickelte sich im Fortgang jedoch eher zum Schlechten, sowohl psychisch als auch künstlerisch fiel Beethoven in eine tiefe Depression. Seine Gesundheit war allgemein nicht zum Besten und sein Hörvermögen hatte dramatisch nachgelassen. Am 25. Januar 1815 gab Beethoven das letzte Konzert, bei dem er als Pianist, also als ausübender Musiker mitwirkte. Mangelnde Hörfähigkeit machten ein gemeinsames Zusammenspiel mit anderen und selbst solistische Darbietungen fürderhin unmöglich. Das Bewusstsein, nun nicht mehr aktiv in der Öffentlichkeit Musik machen zu können, deprimierte ihn sehr. Beethovens Niedergeschlagenheit kommt in einem Brief an seinen Freund Brauchle zum Ausdruck, dem er im September 1815 berichtet: "verdrießlich über vieles empfindlicher als alle andern Menschen, und mit der Plage meines Gehörs finde ich oft im Umgange andrer Menschen nur Schmerzen" (BGA 835). Hinzu kam, dass sich Beethovens finanzielle Lage trotz seines Erfolges durch die Sorge um seinen sterbenden Bruder verschlechterte, den er mit seiner Familie unterstützte, da dieser längst arbeitsunfähig geworden war. Auch künstlerisch konnte der Komponist nicht zufrieden sein. Beethoven hatte eine ausgeprägte Vorstellung von der reinen Kunst und einen sehr genauen Qualitätsbegriff. Zwar wurde er während des Wiener Kongresses gefeiert, die Werke, die diesen Ruhm begründeten - vor allem das große Schlachtgemälde "Wellingtons Sieg" op. 91, der "Glorreiche Augenblick" op. 136 - stellen jedoch eher politisch motivierte Gebrauchsmusik und keinesfalls den qualitativen Höhepunkt seines Schaffens dar. Beethovens selbst war sicherlich bewusst, wie weit er sich mit diesen Werken im Geschmack der Zeit von seinen eigenen Ansprüchen und den großen Kompositionen der ersten Dekade des Jahrhunderts entfernt hatte: Sinfonien, Sonaten, Streichquartette, Konzerte.

Die Überwindung der schöpferischen und psychischen Krise gelingt um die Jahreswende 1815/1816, als Beethovens Lebensmut zurückkehrt. Kammermusik entsteht, als ob nach dem sinfonischen Getöse der Kongresszeit zunächst die zurückhaltende Form wieder gewonnen werden müsste: Cellosonaten op. 102, Klaviersonate op. 101 und eben der Liederzyklus op. 98. Ein neuer Lebens- und Werkabschnitt beginnt: das Spätwerk.

"An die ferne Geliebte" - das Autograph überschrieb Beethoven mit "An die entfernte Geliebte" - wurde lange Zeit als Ausdruck der Seelenlage des Komponisten gedeutet, der sich innerlich von einer unmöglichen Liebe verabschiedet. Neue Forschungen von Birgit Lodes lassen jedoch darauf schließen, dass die ferne Geliebte nicht etwa Beethovens eigene Beziehungen illustriert, sondern vielmehr der im Januar 1816 verstorbenen Ehefrau des Widmungsträgers Fürst Lobkowitz (einem in Wien bekannten Sänger) ein Denkmal setzt. (J.R.)

Musikhandschriften
Autograph, op. 98, BH 69

Erstausgaben
Originalausgabe, op. 98, Steiner, 2610, HCB C Md 64
Originalausgabe, op. 98, Steiner, 2610; Teilscan, C 252 / 105,4
Originalausgabe, op. 98, Steiner, 2610; Teilscan, Geyr 35 a
Titelauflage, op. 98, Haslinger, 2610; Teilscan, C 98 / 2
Titelauflage, op. 98, Steiner, 2610; Teilscan, C 98 / 10
Titelauflage, op. 98, Steiner, 2610, C 98 / 1

Musikdrucke
Bibliographische Angaben im Katalog der Bibliothek

Schriftdokumente
Billet an Sigmund Anton Steiner, Wien, nach dem 4. Mai 1816, HCB BBr 120
Brief an Tobias Haslinger, Wien, 29. Dezember 1816, HCB BBr 20
Brief an Karl Peters, Wien, 8. Januar 1817, HCB Br 182
Brief an Sigmund Anton Steiner, Wien, nach dem 9. Januar 1817, HCB BBr 55

Bilder
Franz Joseph Maximilian Fürst von Lobkowitz ( 1772-1816) - Fotografie eines wohl von Friedrich Oelenhainz stammenden Ölgemäldes, um 1935?, NE 81, Band I, Nr. 173

Literatur
Bibliographische Angaben im Katalog der Bibliothek

Handschriftliche Quellen in anderen Bibliotheken
Großbritannien, London: The British Library
USA, Princeton (N. J.): William H. Scheide private collection, in: Princeton University Library

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E-Mail: bibliothek@beethoven-haus-bonn.de