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KidsKompo

"KidsKompo" macht Grundschüler zu Komponisten

Das Beethoven-Haus und PwC-Stiftung fördern mit diesem Kulturprojekt das kreative Musikverständnis. Fortsetzung in Schulen der Region geplant

"Sollen wir mal ausprobieren, was der kann?", fragt David Paul Graham und zeigt auf den CD-Spieler. Natürlich kennt der renommierte Komponist und Musikpädagoge die Antwort, denn mit neugierigen Augen haben die Kinder das Gerät bereits umlagert. Während ihm die erwartete Bestätigung vielstimmig entgegenschallt, drückt er grinsend eine Taste. Plötzlich zischt und knistert es, und die Gesichter im Sitzungsraum des Beethoven-Hauses zucken überrascht. "Was war das denn jetzt?", stellt sich Graham unwissend und eröffnet damit eine Raterunde. Eine Kassette, die hochspringt? Ein Toaster? Oder ein Gasherd? Nein! Es ist ein Streichholz, das entzündet wird. "Diese Art von Geräusch nennt man Impuls", erklärt Graham und fügt kindgerecht hinzu: "Das ist ein Hallo-hier-bin-ich-Klang, der leitet etwas ein."

Der CD-Spieler bringt an diesem Tag auch noch Musikausschnitte und viele weitere Geräusche hervor, die zunächst oft fremd oder rätselhaft klingen. Mit ihrer Hilfe führen Komponist Graham und sein Team die Sieben- bis Neunjährigen spielerisch in die vielschichtige Welt der Klänge und ihrer Strukturen ein. Dieses Hörtraining ist eine wichtige Grundlage des Kulturprojekts "KidsKompo", das nun am Geburtshaus Beethovens erfolgreich Premiere gefeiert hat. Gefördert von der PwC-Stiftung, einer Gründung der Führungskräfte von PricewaterhouseCoopers, aktiviert das Projekt das künstlerische Potenzial von Grundschülern und macht aus ihnen kleine Komponisten.

Das Konzept für "KidsKompo" haben Dr. Martella Gutiérrez-Denhoff vom Beethoven-Haus und der in Bonn lebende gebürtige Brite Graham zusammen erarbeitet. Graham machte sich einen Namen mit Kompositionen für zahlreiche Festivals und Filmmusiken. Als kreative Helfer mit an Bord sind zum Auftakt auch die Komponistinnen Elena Mendoza-Lopez und Birke Bertelsmeier sowie drei Referendarinnen, die Erfahrungen für ihren Musikunterricht sammeln. Und kaum gestartet, sorgt das junge Projekt schon für Aufsehen: "Mehrere Grundschulen in Bonn und der Umgebung haben Interesse signalisiert", sagt Gutiérrez-Denhoff. Im kommenden Schuljahr werden einige Klassen mit "KidsKompo" loslegen. Zum pädagogischen Wert merkt sie an: "Die Kinder haben ein Erfolgserlebnis, wenn sie spüren: Ich kann etwas Eigenes ausdrücken und andere damit unterhalten. Für diese kreative musikalische Erfahrung vermitteln wir ihnen das nötige Handwerkszeug." Um das zu ermöglichen, stellte die PwC-Stiftung eine Fördersumme in Höhe von 9.000 Euro für drei Jahre bereit.

Die 20 Kinder des Pilotprojekts lernen, wie sie mit Pausen Spannung aufbauen, welche Wirkung das Tempo von Musik im Vorder- oder Hintergrund entfaltet und wie eine Melodie auf einer akustischen Fläche angeordnet wird. Nebenbei erkunden sie auf ihrem Hörparcours die Räume des Beethoven-Hauses von der Künstlergarderobe bis zum Kellertresor. Auf Notizblöcken skizzieren sie das Gehörte, sie geben den Klängen symbolische Gestalt. Noten muss keiner schreiben, kleine gemalte Bilder reichen aus. Auf diese Weise entwerfen sie auch den Ablaufplan für ihre ersten selbst komponierten Stücke. Der Bleistift dient als Zeichengerät, Metronom und Taktstock zugleich.

In kleinen Gruppen experimentieren die Nachwuchskünstler mit konventionellen Instrumenten wie Flöte, Geige oder Trompete, aber auch mit selbst gebastelten Trommeln und Rasseln oder einem elektronischen Sampler mit Geräuschsequenzen. "Ihr habt die Klänge alle in der Tasche", motiviert Graham die Kinder immer wieder. Er will ihnen verdeutlichen, dass sie als Komponisten mächtige Architekten ihrer Stücke sind, die freie Auswahl über das musikalische Baumaterial haben.

Die Erkenntnisse des dreieinhalbtägigen Workshops brachten die Grundschüler am Pfingstmontag selbst auf die Bühne: Mit ihren sechs Uraufführungen unmittelbar hintereinander dürften sie im Beethoven-Haus Maßstäbe gesetzt haben. Stolze Eltern verfolgten das Abschlusskonzert im Kammermusiksaal und staunten, welche phantasievollen Geschichten ihr Nachwuchs erdacht hatte: "Musik-Enten" watschelten, "Ludwig, das Gespenst" spukte, und ein erträumter "Glibberfrosch" jagte eine Fliege. Jedes Stück führten die Kinder zweimal auf, um zu zeigen: Das ist nicht improvisiert, sondern tatsächlich komponiert. Lobendes Fazit von Martella Gutiérrez-Denhoff: "Beethoven wäre begeistert von den Klängen unserer jungen Komponisten."

Weitere Informationen:
Dr. Martella Gutiérrez-Denhoff
Tel.: 0228-98175-15,
E-Mail: kinderprojekte@beethoven-haus-bonn.de

PwC-Stiftung
KidsKompo bei Kinder zum Olymp!


Bild: PwC-Stiftung Bild: PwC-Stiftung
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