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Gesamtausgabe Fortsetzung

 Die Bemühungen um eine Gesamtausgabe gehen auf Beethoven selbst zurück. Mehr als andere seiner Komponistenkollegen strebte Beethoven eine vollständige und fehlerfreie Werkausgabe an. Mit seiner Unterstützung ließ der Wiener Verleger Haslinger die große sogenannte rudolphinische Abschriftensammlung anfertigen, die heute im Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien aufbewahrt wird. Der mehrfach angestrebte Plan, seine in Gattungen bzw. unter Besetzungsaspekten gruppierten Werke sowohl in Aufführungsstimmen als auch in Partituren neu und vollständig herauszugeben, scheiterte nicht zuletzt aufgrund verlagsrechtlicher Probleme. Alle diesbezüglichen editorischen Unternehmungen blieben unvollständig.

Hinsichtlich Umfang sowie Anspruch auf Korrektheit und Nutzen für die Musikpraxis stellt die 1862-65 (Supplementband 1888) binnen weniger Jahre bei Breitkopf & Härtel in Leipzig erschienene "alte" Beethoven-Gesamtausgabe einen Meilenstein dar. Trotz ihrer großen überlieferungs- und rezeptionsgeschichtlicher Bedeutung genügt diese Gesamtausgabe nicht mehr dem heutigen Forschungsstand und den aktuellen textkritischen Ansprüchen.

Das Beethoven-Archiv ist Herausgeber der neuen wissenschaftlich-kritischen Gesamtausgabe der Werke Ludwig van Beethovens. Sie umfasst das gesamte vollendete Schaffen einschließlich Frühfassungen und authentischen Bearbeitungen; auch größere Fragmente und umfangreichere Entwürfe werden berücksichtigt. Die insgesamt vorgesehenen 56 Bände der Gesamtausgabe sind nach Werkgattungen gegliedert. Seit Erscheinen des ersten Bandes im Jahre 1961 konnten bisher etwa zwei Drittel fertiggestellt werden.

Die an der Gesamtausgabe beteiligten Forscher sind Mitarbeiter des Beethoven-Archivs sowie externe Bandherausgeber, die in enger Kooperation mit der Bonner Forschungsstelle arbeiten. Ihre Aufgabe besteht darin, einen historisch-kritischen Notentext zu erstellen und diesen durch einen Kritischen Bericht zu begleiten, in dem Rechenschaft über die Edition abgelegt wird. Zu den wichtigsten Quellen zählen Beethovens Autographen, die von ihm überprüften Kopistenabschriften sowie die zu seinen Lebzeiten gedruckten Originalausgaben. Hinzu kommen briefliche Äußerungen Beethovens und seine Korrekturverzeichnisse. Es ist Aufgabe der Forschung, diese Quellen zu sichten, ihre Entstehungsgeschichte und Abhängigkeit voneinander darzulegen und sie in ihrer editorischen Bedeutung zu bewerten. Die aufgrund der bisher gewonnenen Erfahrungen aktualisierten Editionsrichtlinien geben Aufschluss über die Arbeitsweise der Editoren und die Probleme der Beethoven-Edition.

Ziel der im G. Henle Verlag erscheinenden neuen Gesamtausgabe ist es, mittels eines kritischen Apparates die Vielschichtigkeit der Textüberlieferung zu dokumentieren und Transparenz in das oft komplizierte Geflecht von Quellen zu bringen. Nur eine mit hohem zeitlichem und methodischem Aufwand betriebene historisch-kritische Gesamtausgabe kann die Werkentstehung und -überlieferung sowie die damit verbundenen Fassungen, Varianten und Lesarten angemessen und verlässlich darlegen.

Die Arbeitsergebnisse dienen nicht nur der musikhistorischen Forschung, sondern kommen der Praxis zugute. Musiker erhalten Informationen über Lesarten und Textprobleme, um selbst Entscheidungen für ihre individuelle Interpretation zu treffen. Musikwissenschaft stellt sich damit in den Dienst der Musikpraxis.