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Thema: Klangbild zur Zeit Beethovens
Odin wrote on 20.08.2002:
Guten Tag

Hier wurde ja schon die Spielpraxis und das Klangbild der Klaviere zur Beethovenzeit angesprochen. Also die Frage, was Beethoven im Ohr hatte, als er noch halbwegs hörfähig war, und was seine Zeitgenossen zu hören bekamen.

Wie war das mit der Aufführungspraxis für Orchesterwerke ?

Wie war z.B. das Stärkenverhältnis Streicher zu Bläsergruppe ?

Wieviel klangen die damaligen Blasinstrumente anders als heute ?

Welche Blasinstrumente kamen zum Einsatz, z.B. Blechinstrumente mit oder ohne Ventilsystem, Holzbläser mit wie vielen Klappen ?

Wieviel Vibrato wurde auf den Streichinstrumenten gespielt ?

Und: gabe es noch Reste des Generalbassspiels, etwa das Dirigieren vom Cembalo aus oder schon vom Pult mit Taktstock ?

Viele Fragen. Ich bin mir sicher, dass die Musikwissenschaft schon längst zahlreiche Antworten bereithält.

Gruss

Odin

  Answer: Klangbild zur Zeit Beethovens
Beethoven-Archiv answered on 13.09.2002:
Diese Fragen zur Aufführungspraxis in der Beethoven-Zeit sind natürlich alle sehr interessant und beschäftigen das Beethoven-Archiv auch immer wieder im Rahmen der Editionsarbeit an der Gesamtausgabe und darüber hinaus. Andererseits handelt es sich dabei nicht um ein spezifisch Beethovensches Thema, zumal Instrumentenbau und Aufführungspraxis gerade in den Jahrzehnten zwischen 1770 und 1830 starken Veränderungen unterworfen waren.
Beethoven hat zwar durch seine Kompositionsweise die Entwicklung der Orchesterpraxis stark beeinflußt, dennoch sind in den verschiedenen Regionen Deutschlands und noch mehr in den verschiedenen Ländern Europas durchaus unterschiedliche Entwicklungen zu beobachten, die auch mit unterschiedlichen Interpretationsansätzen zusammenhängen.
Als einschlägige deutschsprachige Literatur empfehlen wir:
Beate Angelika Kraus: Beethoven-Rezeption in Frankreich (Verlag Beethoven-Haus
Peter Reidemeister: Historische Aufführungspraxis
Matthias Thiemel: Tonale Dynamik. Theorie, musikalische Praxis und Vortragslehre seit 1800
Walter Nater: "viell zu geschwinde!" Anleitung zur richtigen Umsetzung der vorromantischen Musik

  Answer: Klangbild zur Zeit Beethovens
Dohrmann answered on 08.12.2005:
Zur Aufführungspraxis der Orchesterwerke empfehle ich als Einführung einmal die Aufnahmen der Symphonien unter Gardiner mit dem Orchestre Révoultionnaire bei DG (und weitere wie unter Norrington mit den London Classical Players - originale Metronomangaben etc.).
Ein paar Infos (Besetzung)vermittelt auch mein Konzertbericht

Ansonsten gibt es zum Thema zahlreiche (recht verstreute) Veröffentlichungen, die ich hier nicht alle aufzählen möchte: Auch Artikel in der sehr guten englischen Zeitschrift "Early Music" (Oxford Univ. Press).

  Answer: Klangbild zur Zeit Beethovens
Bauer answered on 06.03.2006:
Ein sehr aufschlussreiches Buch zu diesem Thema ist: Stefan Weinzierl. Beethovens Konzerträume. Raumakustik und symphonische Aufführungspraxis an der Schwelle zum modernen Konzertwesen. Verlag Erwin Bochinsky, Frankfurt am Main, 2002.
Der Autor stellt die im Wien der Beethoven-Zeit vorhandenen Orchester und deren Besetzungen sowie deren Veränderungen im Laufe der Jahre im Einzelnen vor. In Bezug auf einzelne Beethoven-Werke erläutert er, in welchem Umfang das jeweilige Orchester durch Musiker ergänzt wurde. Z. B. ist die Besetzung zur Erstaufführung der 9. Sinfonie detailliert angegeben.
Des weiteren hat der Autor die Räume, in denen Beethovens Werke seinerzeit aufgeführt wurden, raumakustisch untersucht. Soweit die Räume noch vorhanden sind, ist dies an Ort und Stelle geschehen, ansonsten aufgrund von Plänen mit Hilfe von Computersimulationen. Und diese Untersuchungen bringen Erstaunliches zu Tage: Besonders das vergleichsweise geringe Raumvolumen der Aufführungsstätten bewirkte eine deutlich andere Raumakustik und damit ein deutlich anderes klangliches Erlebnis als in modernen Konzertsälen. Beispielhaft sei nur erwähnt, dass die Akustik generell die Dynamik der Musik besser zur Geltung brachte und die Musik, je nach Raum, subjektiv bis zu einem Vielfachen lauter als in heutigen Sälen empfunden wurde.
Aus den Untersuchungen lässt sich der Schluss ziehen: So wichtig historische Instrumente und Spielweisen auch sind, ohne die richtige (damalige) Raumakustik gibt es keine richtige historische Aufführungspraxis. Da die damaligen Räume aber entweder nicht mehr existieren - von umgebauten Theatern abgesehen - oder einer anderen Nutzung zugeführt wurden, kann es in Bezug auf Beethoven-Werke auch keine richtige historische Aufführungspraxis mehr geben. Im Übrigen lässt sich die Akustik eines damaligen Raums in der Praxis nicht durch die Verwendung eines größeren Orchesters in einem modernen Konzertsaal simulieren. Weinzierl legt dar, dass aufgrund der erforderlichen Schallpegel ein solches Orchester aus etwa 1000(!) Musikern bestehen müsste.

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