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Subject: Text zur Chorfantasie
Brigitte Arndt wrote on 16.09.2008:
Hallo, ich hätte gern den üblichen Text der Chorphantasie, da ich nur den von Becher kenne. Ist das möglich? Wir brauchen ihn für eine Choraufführung!
Mit frdl. Grüßen Brigitte Arndt

  Reply: Text zur Chorfantasie
Thomas Blumann replied on 16.09.2008:
Hallo Frau Arndt,

hier der Text von Christoph Kuffner:

Schmeichelnd hold und lieblich klingen
unsers Leben Harmonien,
und dem Schönheitssinn entschwingen
Blumen sich, die ewig blühn.
Fried' und Freude gleiten freundlich
wie der Wellen Wechselspiel;
was sich drägte rauh und feindlich,
ordnet sich zu Hochgefühl.

Wenn der Töne Zauber walten
und des Wortes Weihe spricht,
muß sich Herrliches gestalten,
Nacht und Stürme werden Licht,
äuß're Ruhe, inn're Wonne
herrschen für den Glücklichen.
Doch der Künste Frühlingssonne
läßt aus beiden Licht entstehen.

Großes, das ins Herz gedrungen,
blüht denn neu und schön empor,
hat ein Geist sich aufgeschwungen,
hallt ihm stets ein Geisterchor.
Nehmt denn hin, ihr schönen Seelen,
froh die Gaben, schöner Kunst.
Wenn sich Lieb' und Kraft vermählen,
lohnt den Menschen Götter-Gunst.

Mit freundlichen Grüßen
Thomas Blumann

  Reply: Text zur Chorfantasie
Ulrich Völkening replied on 16.09.2008:
Eine Bekannte besitzt eine Aufnahme von op. 80 in der anscheinend ein ein anderer Text verwendet wird als der übliche,
er beginnt mit Seid gegrüsst
und es kommt darin u.a. auch vor:
"Wo sich Völker frei entfalten" [..]
und "muss sich Herrliches gestalten", "Wenn sich Fleiß und Kraft vereinen"...
------
weiss jemand woher dieser Text kommt und wie es zu Aufnahmen mit diesem Text kommt

Hatte heute schon mal geschrieben und nach einem zweiten Text zu op 80 gefragt, inzwischen ist klar, der Text ist von Joh. R Becher, also sozusagen eine sozialistische Variante zu op 80, bei Eterna 1970 mit Konwitzschny veröffentlicht. Ich habe den text leider nicht, wissen sie wie man an den genauen Text kommen kann (immerhin doch ein interessantes kuriosum)?

vielen Dank

  Reply: Text zur Chorfantasie
Ulrich Völkening replied on 16.09.2008:
Habe inzwischen die Antwort selbst gefunden,
für Interessierte:

Ich habe mal J R Becher-Seiten angeschrieben und von der Uni-Marburg hat jetzt jemand mir geantwortet und den Text auf seine Seite gstellt
Hier die Seite:

http://staff-www.uni-marburg.de/~naeser/becher.htm

und hier der Text

Geist und Kraft
von Johannes R. Becher (1951)

Seid gegrüßt! Laßt Euch empfangen
Von des Friedens Melodien!
Unser Herz ist noch voll Bangen,
Wolken dicht am Himmel stehn.

Aber neue Lieder tönen,
Und der Jugend Tanz und Spiel,
Zeugt vom Wahren und vom Schönen,
Ordnet sich zu hohem Ziel.

Wo sich Völker frei entfalten
Und des Friedens Stimme spricht,
Muß sich Herrliches gestalten,
Nacht und Träume* werden Licht.

Leben wird zu Lust und Wonne,
Wird zu aller Wohlergehn,
Und der Künste Frühlingssonne
Läßt die Welt uns neu erstehn.

Großes, das uns je gelungen,
Blüht im neuen Glanz empor.
»Friede, Friede ist errungen!«
Jubelt laut der Menschheitschor.

Nehmt denn hin, ihr lieben Freunde,
Froh der Gaben schöner Kunst.
Wenn sich Geist und Kraft vereinen,
Winkt uns ewigen Friedens Gunst.

(Quelle: Johannes R. Becher: Gesammelte Werke,
Band 6, S. 482, Berlin 1973)
* im ursprünglichen Text stand hier noch Stürme

und hier noch die Infos dazu: \"Am 5. August 1951 bekam der Dichter Johannes R. Becher (später Kulturminister der DDR) vom Zentralrat der DDR-Jugendorganisation Freie Deutsche Jugend aus Anlaß der Weltfestspiele der Jugend, die im gleichen Jahr in Berlin (Ost) stattfanden, den Auftrag, einen neuen Text für Beethovens Chorfantasie zu verfassen. Künstlerisch gedeckt sah sich Becher durch eine überlieferte Ansicht Beethovens, der 1808 kurzfristig geschriebene Text sei eigentlich unzureichend, es würde ihm bei einer eventuellen Neufassung im Auftrage seine Notenverlegers einzig auf die herausgehobene Stellung des Wortes »Kraft« ankommen. Dem entsprechend folgt Becher dem alten Text teilweise wörtlich. Bechers Neufassung wurde erstmals am 12. August 1951 in der Wochenzeitung des Kulturbunds der DDR »Sonntag« gedruckt. In einer Schallplatteneinspielung existiert er meines Wissens nur aus dem Jahre 1960, aufgenommen für das DDR-Schallplattenlabel ETERNA mit dem Pianisten Günter Kootz, dem Gewandhausorchester und dem Rundfunkchor Leipzig unter Leitung von Franz Konwitschny.

  Reply: Text zur Chorfantasie
andreas replied on 16.09.2008:
was für ein fabelhafter text von becher, der musik und dem gestus von beethoven adäquat !! dem geist jener jahre entsprechend und doch allgemeingültig.
hoffentlich gibt es nach fast einem halben jahrhundert wieder mal eine aufführung/aufnahme damit.
wer weiß etwas darüber ?
gruß,
andreas

  Reply: Text zur Chorfantasie
Hans-Joachim Exler replied on 16.09.2008:
Beim gestrigen Festakt (03.10.2007)zum Tag der Einheit im Theater Schwerin wurde wieder der Kuffner-Text gesungen. Ich persönlich finde den Becher-Text aussagekräftiger und hätte mir gewünscht, dass dieser gesungen worden wäre.
Vielleicht klappt das ja nächstes Jahr in Hamburg!

  Reply: Text zur Chorfantasie
Christian Krüger replied on 02.01.2010:
Ulrich Völkening meinte, es existiere wohl als Schallplatteneinspielung nur eine Version des Gewandhausorchesters. Aber ich habe eine weitere, eingespielt mit der Dresdner Philharmonie und dem Rundfunkchor Leipzig unter Leitung von Jörg-Peter Weigle von 1987 (Plattenlabel Capriccio).

Gruß,
Christian

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