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Subject: Beethoven als Angler
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Th. Kalweit wrote on 15.09.2008:
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In verschiedenen Fischerei-Büchern aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert habe ich gelesen, dass Beethoven in seiner Jugend begeisterter Angler gewesen sein soll. Immerhin hat er 22 Jahre in Bonn am Rhein gelebt, ein ideales Hobby. Für Informationen wäre ich dankbar!
Ich beschäftige mich mit der Fischereigeschichte des Rheinlands - hier hat Bonn eine besondere Rolle gespielt. |
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Reply: Beethoven als Angler
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Thomas Blumann replied on 15.09.2008:
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Uns ist nichts darüber bekannt, ob Beethoven ein begeistereter Angler war (Ihre Quellen würden uns interessieren). Beethoven wurde als Musiker erzogen und übernahm im Alter von 13 Jahren Orgelvertretungen in den Gottesdiensten. Schon als Jugendlicher mußte er zum Lebensunterhalt der Familie beitragen und hat wohl auch aus diesen Gründen nicht unmäßig viel Zeit zum Angeln gehabt. Wie jedes Kind, das an einem Gewässer aufwächst, wird auch der kleine Ludwig dort gespielt haben und sicherlich auch einmal eine Angel in den Händen gehalten haben. Daraus zu schließen, es wäre eine Passion für ihn, ginge zu weit. Eines ist aber gewiss, er aß gerne und oft Fisch.
Mit freundlichen Grüßen
Thomas Blumann |
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Thomas Kalweit replied on 15.09.2008:
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Danke für die Informationen! Kürzlich habe ich in einem Buch von 1951 einen weiteren Hinweis gefunden, dass Beethoven aktiver Angler war: "..., daß deutsche Männer von überragender geistiger Bedeutung unseren Geschmack am Wasserwaidwerk geteilt haben. So unter anderem: Beethoven, Bismarck, Felix Dahn, Hanns Fechner, Hermann Löns, Graf Moltke, Viktor von Scheffel, Richard Wagner." (v.d.Borne-Fliege: Die Angelfischerei, Berlin 1951. 9. Auflage eines Buches von 1875) |
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Thomas Blumann replied on 15.09.2008:
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Sehr geehrter Herr Kalweit,
meine Kollegin - Frau Ronge - hat mich heute auf einen Artikel aufmerksam gemacht, der sich mit Beethoven als Angler befasst. Im Beethoven Handbuch, Teil I, von Theodor von Frimmel (hrsg. 1926) steht folgendes:
"Klippel, Michael (geb. vermutlich 1819, gest. 1907), Weinbauer in Nußdorf. Bei seinem Tod wurde er als der letzte bezeichnet, der Beethoven noch gesehen hätte ("Neues Wiener Tagblatt" 26. und 27. April 1907, in vielen anderen Zeitungen nachgedruckt). Die Erinnerungen des 88jährigen, der Beethoven oft und lange beim Fischen an der Donau beobachtet haben will "auch hätte er ihn beim Schreiben am Bach gesehen", sind mit größter Vorsicht aufzunehmen. Die einfache Tatsache, daß man die, "Erinnerungen", die man einem kleinen Kinde nicht zumuten kann und von Klippeis Geburt ca. 1819 um fünf bis sechs Jahre heraufrücken muß, also bis etwa 1825 und später, genügt allein, die Sache verdächtig zu machen. Überdies wollte Klippel den Mann, der am Bache schrieb, für einen Schriftsteller nehmen. Klippel hat ohne Zweifel oft Gehörtes über Beethoven in Nußdorf und Heiligenstadt mit der Zeit in seinem Alter für eigene Erinnerungen angesehen, die begreiflicherweise ein wohl unbrauchbares Gemisch von fremden Erzählungen, vielleicht von fremden Erinnerungen darstellen. Vielleicht hat ein älterer Nußdorfer Zeitgenosse Klippeis den Meister wirklich beim Fischen gesehen. Denn es ist wahrscheinlich, daß der große Ichthyophage Beethoven, der bekannte Fischliebhaber, wenigstens Versuche gemacht hat, sich die Lieblingsspeise selbst einzufangen. Aber an Geduld und Ausdauer wird es ihm gewiß gefehlt haben. In einem Gesprächsbuch von 1819 (W. Nohl, "Konversationshefte" Bd. I, S. 138) heißt es: "Hochbergs Manufactur in der Rossau Servitengasse Nr. 89 sind alle Gattungen zum Fischfang gebräuchlicher Maschinen zu haben, gans [NB. ganz] N[atur?]jäger auf den lichtensteinischen Bergen bleiben." Die ganze Stelle scheint sich auf eine beabsichtigte Selbstversorgung mit Fischen und Wild zu beziehen. Mit den Liechtensteinschen Bergen kann Beethoven 1819 nur die Höhen bei Mödling geineint haben.
Nun war aber Klippel 1819 vielleicht noch nicht geboren. Von einem nächtlichen Verweilen Beethovens im Fischerhaus bei Nußdorf ist übrigens bestimmte Kunde erhalten (Kerst, "Erinnerungen" H, S. 296). Kuffner erinnerte den Freund Beethoven gesprächsweise an eine Mondnacht im Fischerhaus zu Nußdorf (siehe bei: Nußdorf und: Essen und Trinken)."
Vielleicht hilft Ihnen das weiter.
Mit freundlichen Grüßen
Thomas Blumann |
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Th. Kalweit replied on 15.09.2008:
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Das Internet-Lexikon wikipedia erwähnt, dass auch Josoph Haydn ein leidenschaftlicher Angler war: "Seine liebsten Hobbys waren die Jagd und das Angeln." War Beethoven nicht Haydns Kompositionsschüler ... |
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Th. Kalweit replied on 15.09.2008:
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Hier ein Original-Zitat: "In allen Gesellschaftskreisen hatte und hat der Angelsport seine Anhänger, namentlich pflegten Männer wie Admiral Nelson, Walter Scott, Humphry Davy, Faraday, Gladstone, Waldeck-Rousseau, John Bright, Viktor v. Scheffel und der Titane van Beethoven, sowie der bekannte österreichische Artillerie-Genaral von Uchatius mit Vorliebe und vielem Eifer den Angelsport." Gustav Fellner, Der Angelsport, Wien 1904.
Möglicherweise hat Beethoven vor allem in seiner Wiener Zeit geangelt. Ich nehme an, Fellner wird sich das nicht aus den Fingern gesogen haben. |
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John Goodyear replied on 11.08.2010:
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Ich schreibe meine Doktorarbeit über 'musical images in literature' zu Ende und bin auf ein Fragment von dem Wiener Schriftsteller und Musikfreund Peter Altenberg gestoßen:
'Ein anderer Glücklichster ist noch Beethoven. Taub für die Niederträchtigkeiten seiner Nebenmenschen, ließ er die "Symphonie der Welt" in sich ungestört ertönen. Stundenlang fischte er leidenschaftlich in Nußdorf an der Donau, war glücklich, wenn ein ungenießbarer Fisch endlich nach Stunden anbiß. Alle hielten ihn für einen verrückten Dichter, grüßten ihn aber ehrfurchtsvoll. Niemand störte ihn, er klagte sich aus in Adagios, tobte sich aus in vierten Sätzen, lächelte wehmütig über sich selbst und die Erde in Scherzos. Er fühlte sich als Geber und Spender, als Vermehrer und Entwickler, trotzdem er selbst davon nichts wußte, direkt, und an die Donau fischen ging.'
Quelle: Peter Altenberg, Die Glücklichsten (1908), in: Märchen des Lebens, Berlin 1908, S. 11-13.
Mit freundlichen Grüßen aus Oldenburg,
John Goodyear |
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