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Subject: Kreutzer-Sonate, Bearbeitung für Violoncello von Carl Czerny
Peter Witte wrote on 23.03.2006:
Ich habe aus England eine Einspielung von Beethovens "Kreutzer-Sonate" Op. 47 in einer Fassung für Cello erworben. Die Transskription stammt laut Booklet-Text von Karl Czerny (ohne nähere Angaben über den Fundort). Im Text heißt es: "It is believed nowadays that Beethoven fully endorsed and oversaw this arrangement for cello of the 'Kreutzer' Sonata and it is flawlessly done. [...] It (the transskription) was made 1822-23 for Josef Lincke who, with Czerny at the piano, gave the first performance in 1816 of the two cello sonatas of Op. 102."

Ist bei Ihnen etwas bekannt über einen eventuellen Druck dieser Czerny-Bearbeitung und, zweitens, ist tatsächlich etwas über Beethovens Unterstützung für Czernys Bearbeitung nachweisbar?

  Reply: Kreutzer-Sonate, Bearbeitung für Violoncello von Carl Czerny
Julia Ronge replied on 24.03.2006:
Sehr geehrter Herr Witte,

die Czerny-Bearbeitung der Kreutzersonate für Violoncello und Klavier erschien erstmals bei Simrock in Bonn. Die Ausgabe, die sich im Beethoven-Haus befindet, stammt von ca. 1856. Czerny hatte bereits 1837 ebenfalls bei Simrock eine Bearbeitung für Klavier veröffentlicht.
Moderne Ausgaben der Czerny-Bearbeitung erschienen 1996 bei Schott, Mainz, hg. v. Guido Schiefen, und 1993 bei Theodore Presser Co., Bryn Mawr, Pa. (als Faksimile des Simrock-Drucks). Ich vermute, dass Ihre Aufnahme auf Basis dieser amerikanischen Ausgabe erstellt wurde, denn die Information, dass die Bearbeitung für Lincke gemacht worden sei, findet sich hier im Vorwort von Dimitry Markevitch.
Die Beziehungen zwischen Carl Czerny und Beethoven sind vielfältig gewesen. Als Kind kam Czerny zu Beethoven, um bei ihm Klavierunterricht zu nehmen. Später, von 1816 bis mindestens 1818 gab Czerny Beethovens Neffen Karl Klavierunterricht.
Czerny fertigte etliche Bearbeitungen Beethovenscher Werke an. Von Beethoven selbst bekam er den Auftrag, den Klavierauszug zur "Weihe des Hauses" op. 124 für zwei und vier Hände herzustellen. 1824 berichtet Johann Andreas Streicher an Beethoven: "Mit Czerny habe ich heute gesprochen. Er wird mit Vergnügen die Uebersetzung der Symphonie auf 2 und 4 Hände übernehmen, und bittet nur um Uebersendung der Partitur." Die Rede ist hier von der 9. Symphonie. Die Klavierauszüge von Czerny sämtlicher Symphonien Beethovens erschienen allerdings erst 1827-1829 bei Probst in Leipzig.
Aus dem Briefwechsel ist nicht ersichtlich, dass Beethoven die Bearbeitung der Kreutzersonate veranlasst oder gar überprüft hätte. Was nicht bedeutet, dass es nicht doch so gewesen sein könnte. Dem widersprechen allerdings die Veröffentlichungsdaten bei Simrock. Zwar ist nicht sicher, dass 1856 für die Cellobearbeitung das Datum der Erstveröffentlichung ist, mir ist aber keine weitere, frühere Ausgabe bekannt.
Sämtliche Bearbeitungen Czernys von Werken Beethovens, die sich im Beethoven-Haus in unserer Bibliothek befinden, finden Sie in den Katalogen auf unserer Homepage: Bibliothek -> Bibliothekskatalog. Suchen Sie nach Noten und geben Sie im Freitext Bearbeitung ein und beim Verfasser Czerny, Carl. Die letzten drei Einträge der Ergebnisliste sind die Bearbeitungen der Kreutzersonate.
Ich hoffe, diese Angaben haben Ihnen ein wenig weitergeholfen. Gerne will ich versuchen, noch mehr herauszufinden, wenn Sie noch Fragen haben.

Mit freundlichen Grüßen

Julia Ronge
Beethoven-Haus Bonn

  Reply: Kreutzer-Sonate, Bearbeitung für Violoncello von Carl Czerny
Jan Bartram replied on 03.10.2010:
Ich habe neulich die Kreutzer Sonate in eine Bearbeitung für Streichquintett gehört (L’Archibudelli: mit Vera Beths und Lucy van Dael, Violine / Jürgen Kussmaul, Viola / Anner Bylsma und Lidewij Scheifes, Cello), die mir - einerseits durch das große Klangvolumen, andererseits aber auch durch die geschickte Bearbeitung und nicht zuletzt dank der Solisten - deutlich besser gefallen hat als das Original.

Wissen Sie, von dem die Bearbeitung stammt und wo es davon Noten gäbe?

  Reply: Kreutzer-Sonate, Bearbeitung für Violoncello von Carl Czerny
Michael Flaksman replied on 09.02.2012:
Hören Sie mal die Einspielung von Jelena Ocic (Cello) und Federico Lovato (Klavier), neulich auf dem "Challenge Classics" label erschienen. Lohnt sich.

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