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Konvention und Floskel im Spätstil Beethovens

Beginn:IX/2009
Ansprechpartner:Daniel Tiemeyer, B.A.
Adresse:daniel-tiemeyer@web.de

 
Angeregt durch das Erste Beethoven-Studienkolleg, das im September 2007 im Beethoven-Haus in Bonn abgehalten wurde, setzt sich Daniel Tiemeyer, der seit seinem Bachelorabschluss an der Universität Osnabrück in Wien Musikwissenschaft und Geschichte studiert, im Rahmen seiner Diplomarbeit mit Beethovens Spätwerk auseinander. Das nachstehende Exposé gibt eine Kurzzusammenfassung des Forschungsansatzes, den er dabei verfolgt:
Der Spätstil Beethovens ist bekannt für seine eigentümliche Brüchigkeit und Komplexität, die das Verständnis dieser Musik stark erschweren. In den 1930er Jahren hat Theodor W. Adorno einen kurzen Aufsatz ("Spätstil Beethovens") vorgelegt, in dem er versuchte, die traditionellen Deutungsansätze, die in der Biographik beheimatet sind, zu relativieren. Er fordert in diesem Aufsatz eine dem entgegen gesetzte, analytische Herangehensweise, die es sich zum Ziel macht, das Formproblem der jeweiligen Werke zu fokussieren. Er weist auf die Bedeutung von Konventionen und auf die Verwendung von Floskeln im Spätwerk hin und begreift diese beiden Phänomene als zentrale Momente für das Verständnis des Spätstils: "Das Verhältnis der Konventionen zur Subjektivität selber muß als das Formgesetz verstanden werden, aus dem der Gehalt der Spätwerke entspringt". Als Beispiele wären unter anderem das Aufgreifen der Opernkonvention von "Rezitativ und Arie" in der Klaviersonate op. 110, die Verwendung der Fuge in diversen Werken oder aber Anspielungen auf verschiedene Tänze und volksmusikalische Topoi zu nennen.

Die Diplomarbeit setzt sich zum Ziel, die beiden Elemente "Konvention" und "Floskel" anhand von Beethovens später Klavier- und Kammermusik greifbar zu machen sowie darüber hinaus mit Hilfe des analytischen Befundes ein Erklärungsmodell für die "Risse und Sprünge" der Faktur der späten Werke zu geben. Ein Exkurs zu Beethovens Rezeption älterer Musik unter dem Aspekt des "kompositorischen Gedächtnisses" soll die Arbeit abrunden.
 
Beteiligte:Betreuung durch Univ.-Prof. Dr. Birgit Lodes, Institut für Musikwissenschaft, Universität Wien.