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Beethoven und die französische Klaviermusik
| Beginn: | | I/2010 | | Ansprechpartner: | | Dr. Federica Rovelli | | Adresse: | | frovell@yahoo.it | | | 1970 nahm Alexander Ringer eine Neubewertung des Einflusses vor, der von der englischen Klavierschule – insbesondere vom Triumvirat Muzio Clementi, Jan Ladislav Dussek und John Field – auf das Sonatenschaffen von Beethoven ausging. Ringer wies u. a. nach, dass Beethoven sein zeitgenössisches Umfeld aufmerksam beobachtete. Die Authentizität seines Schaffens bestand "nicht in einer eigentümlichen Neuheit der Erfindung, sondern in seiner unglaublichen Fähigkeit, verschiedene Musiktendenzen zu verarbeiten und zu vertiefen". Ringer konstatierte, dass Beethoven ein analoges Verhältnis im Bezug auf die französische Musik (vornehmlich Symphonik und Oper) gehabt habe. 1985 widmete sich Claude Palisca einem Teilaspekt eben dieses Repertoires, in dem er auf besondere Stereotype hinwies, die in der öffentlichen Zeremonial-Musik der französischen Revolution gebräuchlich waren und die z. B. im Trauermarsch der Eroica wiederzufinden sind. 1996 untersuchte Anselm Gerhard die Sonate Le Retour à Paris von Dussek und wies weitere Beziehungen zwischen der Londoner und der Pariser Musikwelt und dem Schaffen Beethovens nach.
Von einem bislang noch kaum untersuchten Repertoirebereich scheint für den jungen Bonner Komponisten ein bedeutendes Anregungspotenzial ausgegangen zu sein. Es handelt sich um die Sonaten der Pariser Klavierschule, die im Kontext des neu gegründeten Conservatoire nationale entstanden sind. Ihre herausragenden Vertreter sind Etienne-Nicolas Méhul (1763-1817), Hèlén-Antoinette-Marie de Montgerold (1764-1836), Henri-Jean Rigel (1770-1852), François-Adrien Boïeldieu (1775-1834), Hyacinthe Jadin (1776-1800) und Alexandre Pierre François Boëly (1785-1858). Mindestens fünfzehn Sonatenzyklen, die am Ende des 18. bzw. zu Beginn des 19. Jahrhunderts veröffentlicht wurden stammen von den genannten Komponisten. Auf musikalische Beziehungen zwischen Bonn und Paris wies Jean Mongrédien (1986) hin. Exemplarisch für diese Beziehungen ist die Biographie von Heinrich Simrock, dem Bruder des Bonner Verlegers Nikolaus Simrock. Er begann 1792 in Paris als Orchestermusiker, eröffnete dort bald einen Musikalienhandel und avancierte zu einem beachtlichen Vertreter des französischen Verlagswesens.
Musikalisch strukturelle Beziehungen zwischen der französischen Schule und Beethoven lassen sich analytisch nachweisen. Als aufschlussreiches Fallbeispiel diene das Rondeau pastoral aus der zweiten Sonate des op. 3 von Henri-Jean Rigel. Ein zentraler Abschnitt dieses Satzes (Takt 147 bis 173) antizipiert um dreizehn Jahre das Hauptthema aus Beethovens Klaviersonate op. 101, die ebenfalls in A-Dur steht (Takt 1-6). Die Übereinstimmungen sind frappierend. Die melodischen und rhythmischen Konturen der Oberstimmen gleichen sich; ebenso die Faktur der in Achteln fließenden Innenstimmen. Beide Klaviersätze basieren anfangs auf dem Bordun-Ton E. Die intertextuelle Beziehung zwischen Rigels Rondeau pastoral und Beethoven bleibt nicht nur auf die späte Klaviersonate beschränkt, sondern zeigt sich schon im Rondo der Sonate op. 28. Der 6/8-Takt und das rhythmische Ostinato der Basslinie, die unterbrochenen Achtelnoten in der zweiten Themengruppe sowie der pastorale Gestus des Satzes sind strukturelle Gemeinsamkeiten die Rigels und Beethovens Sonate miteinander teilen.
Das Projekt möchte einerseits das noch weitgehend unbekannte Repertoire der französischen Klaviermusik und dessen Einflüsse auf Beethoven erforschen. Darüber hinaus soll danach gefragt werden, inwieweit die Musik zur Zeit der Französischen Revolution auch die nachfolgende Generation der Romantiker außerhalb Frankreichs beeinflusst hat. | | | | Beteiligte: | | Cagliari Universität - Fachbereich: Studi Storici, Geografici e Artistici
Projektförderung durch die autonome Region Sardinien (RAS) |
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