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Neuausgabe des Beethoven-Werkverzeichnisses von Georg Kinsky

Beginn:1999
Ansprechpartner:Dr. Norbert Gertsch, München
Adresse:gertsch@henle.de
 
Im G. Henle Verlag, München, erschien 1955 unter dem Titel "Das Werk Beethovens. Thematisch-Bibliographisches Verzeichnis seiner sämtlichen vollendeten Kompositionen" das von Georg Kinsky verfasste und nach dessen Tod von Hans Halm abgeschlossene Beethoven-Werkverzeichnis. Nach über 80 Jahren löste es das 1868 erschienene und in Folge mehrfach nachgedruckte Verzeichnis Gustav Nottebohms ab. Der Kinsky-Halm wurde schnell zum bibliographischen Standardwerk der Beethoven-Forschung, die in den Folgejahren - nicht zuletzt durch Impulse aus den Informationen des Verzeichnisses - einen enormen Aufschwung erfuhr. Im Beethovenjahr 1970 entschloss sich der Verlag in einer neuen Initiative, dem Werkverzeichnis ein Supplement zur Seite zu stellen, dass die Forschungserkenntnisse der Nachkriegszeit dokumentieren sollte (Kinskys Manuskript war im Wesentlichen um 1942 abgeschlossen). Unter der Herausgeberschaft von Kurt Dorfmüller, der schon bei den abschließenden Arbeiten am Kinsky-Halm beteiligt gewesen war, entstanden in den Jahren 1970 bis 1978 die Beiträge zur Beethoven-Bibliographie. Studien und Materialien zum Werkverzeichnis von Kinsky-Halm. Bei Erscheinen dieser Beiträge war eine komplette Neubearbeitung des Verzeichnisses bereits "fest beabsichtigt", wie Dorfmüller in seinem Vorwort berichtete. Tatsächlich sammelte er selbst auch nach 1978 weiter bei jeder Gelegenheit neue Informationen zur Beethoven-Bibliographie, besonders zur Geschichte der frühen Drucke.
Zum Ende des 20. Jahrhunderts reagierten der G. Henle Verlag und das Beethoven-Archiv Bonn erneut auf das dringende Bedürfnis aller Benutzer des Werkverzeichnisses - Bibliothekare, Antiquare, Sammler, Musiker und Wissenschaftler - , und begannen die Planung einer Neuausgabe des nun in großen Teilen überholten Kinsky-Halm. Mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und des Verlags arbeitet seit 1999 eine Gruppe von Wissenschaftlern unter den als Herausgeber zeichnenden Kurt Dorfmüller und Norbert Gertsch an einer Neufassung des Verzeichnisses.
Das Verzeichnis wird in vielen Aspekten überarbeitet und zu großen Teilen völlig neu verfasst. Auf die Verlagserfahrungen bei der Vorbereitung und Herausgabe der Brahms- und Schumann-Werkverzeichnisse bauend erhält auch der Neue Kinsky in den Werkeinträgen eine neue Struktur: Historische Informationen und Quellenbeschreibungen werden klar getrennt. Georg Kinsky bezog seine Informationen zur Werkentstehung u.a. aus Zeitzeugenberichten, von denen wir heute wissen, dass sie in vielen Fällen nicht den tatsächlichen Gegebenheiten entsprechen, gelegentlich sogar bewusst - wie im Fall Anton Schindlers - gefälscht wurden. Eine wesentlich zuverlässigere Basis für die Entstehung der Werke Beethovens liegt heute in den Ergebnissen der Skizzenforschung vor, im besonderen in den Arbeiten Sieghard Brandenburgs, Douglas Johnsons, Alan Tysons und Robert Winters. Mit der Veröffentlichung der Gesamtausgabe des Beethoven-Briefwechsels und dem Erscheinen der Konversationshefte verfügen wir über zentrale Primärquellen in neu edierter und neu bewerteter Form. Außerdem liefern die bereits erschienenen Kritischen Berichte zur neuen Gesamtausgabe der Werke Beethovens wichtige Informationen sowohl zu Aspekten der Werkgenese als auch zur Beschaffenheit der Quellen selbst. Diese bessere Ausgangssituation erfordert eine völlige Neuerarbeitung der Verzeichnisteile zu Historischem.
Das neue Werkverzeichnis erfährt darüber hinaus zahlreiche Erweiterungen. So wird zum Beispiel zu jedem Werk der Skizzenbestand mit Angaben zum Fundort, zur Datierung, zu Faksimilierungen und Übertragungen aufgelistet. Die Beschreibung der anderen handschriftlichen Quellen (Autographen, Abschriften, Fehlerverzeichnisse) wird detaillierter als bisher vorgenommen. Sämtliche beschriebenen Drucke werden außerdem erstmals mit Fundorten nachgewiesen.
 
Beteiligte:Herausgeber: Dr. Norbert Gertsch (München) und Dr. Kurt Dorfmüller (München)
Mitarbeit: Julia Ronge (Köln), Dr. Gertraud Haberkamp (München), Dr. Wolfram Enßlin (Leipzig)