Auf den Spuren Beethovens

Hans Conrad Bodmer und seine Sammlung

Bildübersicht |
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20

Der Sammler

Aufbau der Sammlung

Im Januar 1916 starb Bodmers Vater. Er hinterließ seiner Witwe und seinen Kindern ein stattliches Vermögen. So finanziell hervorragend abgesichert, konnte H.C. Bodmer (wie es auch schon sein Vater getan hatte, reduzierte er nach dessen Tod seine Vornamen auf die Initialen) ohne Sorgen mit dem Aufbau seiner Beethoven-Sammlung beginnen. Grundlage war ein kleiner Bestand an Beethoveniana aus altem Familienbesitz, nämlich die Originalausgaben der Drei Violinsonaten op. 12 und der Drei Klaviersonaten op. 31. Die Zeit war für sein Vorhaben sehr günstig, da sich noch viele Beethoven-Dokumente in Privatbesitz befanden und die große Wirtschaftskrise der 1920er Jahre sowie die Folgen beider Weltkriege zu einem breiten Angebot auf dem Autographen- und Antiquariatsmarkt führten. Bodmer erwarb einen Großteil seiner herausragenden Stücke bei Auktionen, trat aber nie selbst auf, sondern agierte immer über Händler, da er größten Wert auf Diskretion bezüglich seiner Sammlung legte. Seinen Kommissionären gab er stets klare Limite vor, kaufen zu jedem Preis lag ihm fern. Zu dem Zürcher Antiquar August Laube pflegte er bald eine enge Beziehung, Laube übernahm denn auch ganz überwiegend die Ankäufe. So bot er auch erfolgreich mit, als durch Ernst Henrici in Berlin die Autographen des aufgelösten Musikhistorischen Museums von Wilhelm Heyer in Köln versteigert wurden. Durch die herausragenden Handschriften der Klaviersonate Fis-Dur op. 78, der Posaunenstimmen zur 9. Symphonie, des Entwurfs einer Denkschrift an das Appellationsgericht, eines Konversationsheftes sowie mehrerer Briefe erhielt Bodmers Sammlung bedeutenden Zuwachs.


Auktion der Sammlung Heyer am 6. und
7. Dezember 1926, aus: B.Z. am Mittag, Berlin, 7. Dezember 1926


August Laube (ganz rechts) bei einer Auktion, vermutlich in den 1920er Jahren

Ein weiteres Kernstück der Sammlung, die "Waldstein-Sonate" op. 53, erwarb Bodmer 1938 von den Nachkommen des Widmungsträgers.
Den Sammlungsschwerpunkt Beethoven-Briefe konnte Bodmer durch die Übernahme der kompletten noch vorhandenen Briefbestände aus den Verlagsarchiven von Simrock in Bonn (später Berlin), Artaria & Co. in Wien und Breitkopf und Härtel in Leipzig ausbauen. Rein zahlenmäßig überwiegen die Beethoven-Briefe weit alle anderen Objekte. Auch seine letzten überhaupt getätigten Ankäufe fallen in diese Kategorie. Vom Krankenbett aus erteilte er August Laube zwei Aufträge für die Auktion von Sotheby's in London vom
27. März 1956. Der dortige Gewährsmann Heinrich Eisemann erhielt den Zuschlag für einen Brief an Beethovens Vermieter Johann Speer in Mödling und einen bisher unveröffentlichten Brief an seinen Verleger Maurice Schlesinger.


Auktionskatalog von Sotheby's


Rechnung von Sotheby's an Laube

Zum Beethoven-Jahr 1927 plante Bodmer die Herausgabe eines Privatdrucks in einer kleinen, aber feinen Auflage von 100 Stück. In drei Kapiteln sollte eine Auswahl von Briefen, Musikautographen sowie Bildern und Reliquien seiner Sammlung erstmals öffentlich vorgestellt werden. In diesem Zusammenhang wurden ausführliche Inventarlisten erstellt, die die beachtliche Qualität und Quantität der ja erst 10 Jahre zuvor begonnenen Sammlung zeigen. Leider scheiterte das Vorhaben, da der von Bodmer beauftragte Autor Leopold Schmidt schwer erkrankte und am 30. April d.J. verstarb.

Max Unger war der erste ausgewiesene Beethoven-Forscher, der uneingeschränkten Zugang zu Bodmers Sammlung erhielt. 1932 ernannte Bodmer ihn zum Kustos der Sammlung. In den folgenden Jahren widmete Unger sich dann schwerpunktmäßig der Katalogisierung, Erschließung und dem Ausbau der Sammlung Bodmer. So verfasste er auch immer wieder Gutachten für Bodmer, wenn neue Stücke angeboten wurden. Nach mehreren Aufsätzen erschien dann 1939 schließlich ein vollständiger, ausführlicher Sammlungskatalog in den von Bodmers Bruder Martin verlegten Schriften der Corona. Der Katalog erschien anonym ohne Namensnennung des Sammlers und ohne Ortsangabe. Lediglich der Titel "Eine Schweizer Beethoven-Sammlung" gab einen Hinweis für ohnehin schon Eingeweihte.

Bildübersicht |
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20