|
|
|
Bilder 7 bis 11
Seite 40 ist eines von mehreren Beispielen, die zeigen, dass Beethoven mit dem Schluss etlicher Variationen immer wieder experimentiert hat, vor allem was das prima bzw. seconda volta angeht, also den Unterschied zwischen der ersten Form des Schlusstaktes und der zweiten, die bei der Wiederholung zu spielen ist. Dies trifft auch auf die 19. Variation zu. Die anschließende 20. Variation ist ein mirakulöses Kunstwerk, das hinsichtlich seiner offenen Harmonik seiner Zeit weit voraus war und noch heute als "moderne" Musik empfunden wird. Dies schlägt sich in Beethovens Handschrift nieder. Die Akkorde sind weit auseinander gezogen und sorgsam gesetzt. Beethoven gibt jedem zunächst für sich stehenden gewichtigen Akkord buchstäblich Freiraum.
Auch der Beginn der 24. Variation, eine Hommage an Johann Sebastian Bach in Form einer Fughetta, zeigt die Korrelation zwischen Musik und Schriftduktus bzw. Schriftdynamik. Die Klarheit und Reinheit der Musik schlägt sich auch in einer besonders sorgfältigen Notierung nieder, ehe sich der Komponist am Ende des 1. Teiles zu Korrekturen gezwungen sieht, die er aber ebenfalls sehr sauber ausführte.
Bei der 28. Variation hat Beethoven experimentiert. Am Ende der 3. Akkolade hat Beethoven drei Takte lediglich skizziert, dann aber weiter geschrieben. Als er die Stelle überarbeitete, brauchte er neuerlich zwei Anläufe. Da ihm klar wurde, dass er mit dem verfügbaren Platz nicht auskommen wird, benutzte er ein Einlageblatt, das sich in der Handschrift heute an einer falschen Stelle befindet. Es ist an S. 29 angeklebt. Beethoven vermerkte: "Vi= eingelegtes Blatt" und ergänzte noch einen durchgestrichenen Kreis als zusätzliches Verweiszeichen.
Das Einlegeblatt zur 28. Variation.
Besondere Mühe verwandte der Komponist auch auf die 31. Variation, die umfangreiche Korrekturen aufweist. Beethoven hatte große Teile der ursprünglichen Notierung so sorgfältig mit einem Rasiermesser weggekratzt, dass keine Löcher im Papier entstanden. Anschließend notierte er die zweite Version zunächst mit Bleistift, um sie dann mit Tinte nachzuziehen, als er sicher war, mit dieser Lösung zufrieden zu sein.
|
|
|