Ludwig van Beethoven
33 variations on a waltz by Anton Diabelli, op. 120

The original manuscript of the Diabelli Variations

image overview |
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57

Bilder 12 bis 17

00000073_ganz_01.jpg


Am Ende der 31. Variation vergaß sich Beethoven. Er hatte sich lange diszipliniert, nun gingen die schöpferischen Gedanken mit ihm durch. Auf S. 64 unten und S. 65 oben fällt er ins Skizzenstadium zurück. Die selbst auferlegte Aufgabe, eine Reinschrift zu produzieren, geriet vorübergehend in Vergessenheit. Auch hier musste er auf ein Einlegeblatt ausweichen.




00000074_ganz_01.jpg


Das Einlegeblatt mit dem Ende der 31. Variation war lange von der übrigen Handschrift getrennt. Es konnte 1987 für die Sammlung des Beethoven-Hauses erworben werden und so konnte diese nun auf glückliche Weise wieder komplettiert werden. Auch das Einlegeblatt ist zunächst mit Bleistift beschriftet und vom Komponisten erst später mit Tinte nachgezogen worden. An dem eigenhändigen Vermerk unten "zur Var: 33 [bzw. 30] gehörig" ist abzulesen, dass Beethoven unsicher war, um welche Variation es sich handelte. Eine fremde Hand korrigierte mit Tinte die korrekte "1". Beethoven hatte lange Zeit offen gelassen, aus wie vielen Variationen der Zyklus bestehen soll.




00000076_ganz_01.JPG


Auf S. 65 oben strich bzw. entfernte Beethoven die ursprünglich vorhandene einstimmige Notierung und vermerkte mit Bezug auf das Einlegeblatt: "nach anderem erhält Diabelli dieses".




00000082_ganz_01.jpg


Wenn auch die 32. Variation, eine große Fuge als Hommage an Georg Friedrich Händel, bereits im Forte beginnt, so ist sie doch auf eine große Steigerung angelegt. Dies schlägt sich eindrucksvoll auch in der Schriftdynamik nieder. Beethoven schrieb sich so in Rage, dass er auf Seite 71 versehentlich sein Tintenfass umwarf.




00000086_ganz_01.jpg


Seite 75 bietet den Schluss der 32. und den Beginn der abschließenden 33. Variation. Um den Schluss der Variation musste er wieder kämpfen, wie die zahlreichen Rasuren erweisen. Der Beginn der 33. Variation weist neuerlich drei Korrekturvermerke auf, die er auch nach London mitteilen wollte. An der viel helleren Tinte und der Enge des Raumes lässt sich ablesen, dass der Komponist die Vorzeichnung der Schlüssel (Wechsel von Es-Dur nach C-Dur) und die Taktangabe ¾ am Beginn der 2. Akkolade erst nachträglich einfügte. Die Vortragsanweisungen "(ma non tirarsi dietro) / aber nicht schleppend" hat Beethoven nicht wie damals üblich nur in italienischer, sondern zusätzlich auch in deutscher Sprache geschrieben. Daran war Beethoven seit 1817 sehr gelegen.




00000092_ganz_01.jpg


Auch die letzte beschriebene Seite der Handschrift zeigt, dass Beethoven noch im allerletzten Kompositionsstadium um die Fassung letzter Hand rang, so auch in den beiden letzten Takten des gesamten Variationenzyklus. In den beiden oberen Zeilen ist die komplett gestrichene erste Fassung, unten dann die endgültige zu finden.

Das gesamte Manuskript führt vor Augen, welch ungeheuren Mehrwert eine Originalhandschrift Beethovens im Vergleich zu einer Abschrift von fremder Hand oder einem Notendruck bietet. Das Werk und die Intentionen des Komponisten treten uns plastisch vor Augen.



image overview |
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57